Montag, 30. November 2009

Minarette werden in der Schweiz verboten

Die schweizer Verfassung wird zukünfigi den Bau von Minaretten verbieten.



Die Begründung der Befürworter scheint ungefähr zu sein, dass Minarette mehr ein Symbol der Macht sind als der Religionsausübung dienen. Ich halte das für Unsinn, aber ich fände es ein schwaches Argument, für Minarette zu sein, nur weil Muslime so nette Menschen sind. Oder nur Gebäude zu erlauben, die keine Machtsymbole sind. Nehmen wir also an, Minarette wären nichts als Machtsymbole des Islam.

Da geht noch mehr, der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan's sagte 1997: "Moscheen sind unsere Baracken, Kuppeln unsere Helme, Minarette unsere Bayonette und Gläubige unsere Soldaten. Diese heilige Armee beschützt meine Religion." Das Egerkinger Komitee war sich nicht zu schade, den Satz zu zitieren.

Völlig aus der Luft gegriffen ist davon nichts. Zwar ist nicht jeder Moslem ein Terrorist, aber der Anteil Muslime unter den Terroristen ist beängstigend. Wer immer die Initiative kritisiert, weil er meint der Islam eine Religion des Friedens wäre, ignoriert den sichtbarsten Teil des Islams. Und wer behauptet, die Religionsausübung hätte nichts politisches, dem kann man nur den Kopf waschen: Der Islam ist politisch so lange es ihn gibt. Und damit ist er nicht allein: Christen benutzen ihre Werte wohin immer sie gehen um damit Politik zu machen.

Und nein, christliche Werte sind nicht westliche Werte. Die modernen westlichen Werte mussten sich mit großen Opfern gegen das Christentum durchsetzen, und leiden immer noch an christlichen Tyrannen, die glauben uns anderen Stammzellenforschung verbieten zu dürfen, weil sie irgendwo in ihrem Fantasiebuch eine Zeile gefunden haben, die man nur allein so interpretieren kann, dass ihr imaginärer Freund Stammzellenforschung nicht gut findet. Mutter Theresa kämpfte dafür, Abtreibung unter Gefängnisstrafe zu stellen. Der Kampf für Freiheit ist ein Kampf gegen Religionen. Gegen sie alle. Es ist kein Zufall dass kein einziger der Gründungsväter der USA gläubig war.

Der Kampf für Freiheit ist aber auch ein Kampf dafür, dass jeder denken darf was er mag und so lange unbehelligt bleibt wie er keinem schadet. Es ist grundlegender Respekt vor anderen Menschen, dass man ihre Ansichten darüber, wie das Universum funktioniert, hinnimmt, egal wie verwirrt sie erscheinen, wenn man einmal seinen Kopf aufgeräumt hat. Das ist wichtig, denn niemand wird liberal oder als Skeptiker geboren. Es ist eine Position, die man sich gegen sich selbst intellektuell erstreitet. Es ist en Streit gegen unsere angeborenen Instinkte, gegen unsere angeborene Moral, mit der es absolut kompatibel ist Leuten das Leben schwer zu machen, die nicht zu unserer Gruppe gehören.

Man kann kein kohärentes Argument gegen Minarette vortragen, das nicht gerade so gut gebraucht werden könnte um Synagogen und Kirchtürme zu verbieten. Erdoğan listet als Träger und Symbole der islamischen Macht Minarette nur unter anderem. Gerade so gut hätte man Kopftücher oder gleich den Glauben an sich verbieten können. Natürlich wäre der Effekt größer, aber nichts von dem was Ulrich Schluer, der Haupfbefürworter, sagt, lässt sich auf Minarette mehr anwenden als auf Kopftücher, Moscheen, Kuppeln und Gläubige.

Ulrich Schluer mag jetzt einwerfen, dass Moscheen und Kopftücher für den Islam nötig sind, Minarette aber nicht. Er versteht aber auch offenbar nichts vom Islam. Das bemerkt man daran, dass er behauptet, es fände sich über Minarette nichts im Koran und daraus könne man schließen, dass es für die Religion unwichtig wäre. Er weiß nicht, dass der Islam quer über alle Geschmacksrichtungen den Hadith, die überlieferten Erzählungen über Mohammed, genau so respektiert wie den Koran. Dass etwas nicht im Koran steht kann also NIE beweisen, dass etwas nicht islamisch wäre. (Übrigens, im Hadth steht auch: "Falls jemand abtrünnig [vom Islam] wird, … so muss er geötet werden. Die Strafe ist der Tod." Das nur dazu, dass der Islam die Religion des Friedens wäre, wie die Gegner der Initiative den Islam nannten.) Die Mehrheit der Muslime informiert uns, dass Minarette für ihre Religion nötig wären.

Da wir nur höchstens ästhetisch verletzt werden müssen wir das hinnehmen. Und sie ihre Türme bauen lassen. Aus grundlegendem menschlichen Respekt. Alles andere ist das widerliche gängeln einer Minderheit, gegründet auf nichts als Xenophobie und Intoleranz.

Ist der Islam böse? Ja. Haben wir das moralische Recht, Menschen zu gängeln, weil sie etwas für wahr halten, dass der Menschheit schadet? Natürlich nicht. Das wäre absurd. Auf dem Weg zu Skeptizismus liegt viel Hokuspokus und verwirrte Ideologie. Religionsfreiheit, die Freiheit Irrsinn zu glauben, ist absolut nötig damit man zur Wahrheit erst finden kann. Es ist widerlich, die eigene kulturelle Identität, die eigene Majorität zu missbrauchen um Andersdenkende zu gängeln.

Kommentare:

  1. Starker Artikel! ...zumindest der Begin, leider erlaubst du dir in den letzten beiden Absätzen einige Gedankensprünge die so nicht zum sehr durchdachten Beginn passen wollen. Insbesondere übergehst du dass eine Abstimmung nicht akademische Debatte, sondern eben auch gerade politische Meinungsäusserung ist. So können diese 57% Ja wohl vorallem als deutlicher "Call to Action" an unsere class politique verstanden werden, so wie als Mahnung an gemässigte Muslime sich endlich in aller Deutlichkeit vom Fundamentalismus zu distanzieren. Gelegenheit hätte es somit für beide unterlegenen Parteien reichlich gegeben dieses Ergebnis zu verhindern, hätte man denn die Sorgen der Bevölkerung (die im Vorfeld deutlich zu spüren) waren auch ernstgenommen. Anstatt sinnlos über die Rechtsgültigkeit der Initiative zu debattieren, hätte das Parlament viel gescheiter einen Gegenvorschlag mit zur Abstimmung gebracht (zB das Imame auf Deutsch predigen müssen). Das politische System der Schweiz hätte also Mittel angeboten diese "Debakel" zu verhindern. Eine wirkliche Einschränkung in der Religionsfreiheit ist indes nicht erfolgt, wenn schon kann man als Liberaler bedauern dass mit der Baufreiheit eine andere grundlegende Freiheit zweckentfremdend eingeschränkt worden ist.

    Auch liegst du bei den Gründungsvätern die Fakten faktisch falsch. Habe mir erlaubt auf Wikipedia gegenzuprüfen und tatsächlich waren, bis auf wenige Ausnahmen, die Gründungsväter durchaus gläubig! Jefferson beispielsweise hatte gar seine eigene Bibelausgabe editiert, wow ... wusste ich so auch nicht, man lernt jeden Tag dazu :)

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  2. Jefferson war ein Deist. Das ist jemand, der nicht an Wunder, übernatürliches oder sonstigen Hokuspokus glaubt. Ein Deist glaubt, dass die Welt durch reine Wissenschaft erklärbar ist, bis auf einen einzigen Moment: die Entstehung der Welt. In diesem einen Moment hat ein gewisser Herr Gott die Welt erschaffen. Ich finde den Rückzug auf diesen einen Moment ein bisschen pathetisch, aber man kann das durchgehen lassen. Denn aus diesem einen Moment kann man ja nichts schlussfolgern. Deisten argumentieren genau so wie Atheisten, das heißt: sie behaupten nicht, Gott auf ihrer Seite zu haben, weil sie weder ans ewige Leben noch an Gottes Interesse an ihren Individuen glauben. Man muss auch sehen dass man damals einfach nicht behaupten konnte, Atheist zu sein. Es war sozial nicht tragbar. Es gibt Historiker die so weit gehen Jefferson blanken Atheismus zu unterstellen und nur der Form halber den Deismus hochgehalten zu haben, damit er ohne offenbare Heuchlerei von Gott sprechen konnte.

    Die Jefferson'sche Bibelausgabe sei ausgesprochen lesenswert, sagt man mir. Er kürzte die Bibel um offensichtlich widersinnigen Hokuspokus und ließ die Dinge übrig, mit denen man sich anfreunden kann ohne völlig verrückt zu sein. Das kann man sich an einem halben Nachmittag einmal durchlesen.

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  3. Es ist gar reduzierend Religion auf den Glauben an Wunder zu reduzieren, ist doch das Wertesystem der weitaus entscheidendere Teil. Auch ohne Jefferson verbleit noch immer die grosse grosse Mehrheit der Gründungsväter welcher durchaus gläubig waren. Dem bist du geschickt ausgewichen, lass ich aber so nicht zu :P

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